In Deutschland grenzen sich die Naturwissenschaften in der Schule streng von der Philosophie ab und aus der Perspektive der Schüler gibt es zwischen der Philosophie und den Naturwissenschaften keine Berührungspunkte. Diese Sichtweise ist eigentlich überraschend, da am Anfang jeder physikalischen Theorie ein philosophisches Staunen über zunächst unverständliche Phänomene steht. In der Kulturgeschichte war immer eine enge Verknüpfung der naturwissenschaftlichen und geistesgeschichtlichen Entwicklung zu beobachten. Die Quantenphysik hatte zum Beispiel erhebliche Auswirkungen auf das Weltverständnis und das Menschenbild in der Moderne. Andererseits lässt sich diese Veränderung z. B. der Wirklichkeitsauffassung durch die Quantenphysik nur aus philosophischer Perspektive wirklich verstehen. Naturphilosophisches Fragen und naturwissenschaftliche Theoriebildung sind in der Geschichte der Naturwissenschaften nicht zu trennen und jede naturwissenschaftliche Weiterentwicklung ging einher mit einer philosophischen Auseinandersetzung mit neuen Erkenntnissen und Entdeckungen, die dann auch Auswirkungen auf die kulturellen und politischen Entwicklungen hatte.

Das Ziel der Fortbildungsveranstaltung ist, Lehrer sowohl der Naturwissenschaften als auch der Philosophie die jeweils andere Perspektive nahezubringen. Naturwissenschaftler fragen, wie die Natur funktioniert, interessieren sich aber nicht für das Warum, weil das niemand versteht. Das philosophische Fragen richtet sich dagegen gerade auf das, was man zunächst nicht versteht. Hier geht es darum, den Zustand des Nichtverstehens auszuhalten und als Aufgangspunkt der Reflexion zu sehen.

VOILA_REP_ID=C125821F:0023C47D